Generationen-Barometer 2020

In vielen Bereichen der Gesellschaft sehen die Befragten Belastungen für die kommenden Generationen. Um die Balance zwischen den Generationen zu verbessern, stehen verschiedene Reformideen im Raum. Sie kommen unterschiedlich gut an. 

In der Herbstsession 2020 hat der Nationalrat überraschend einer Senkung des Stimmrechtsalters von 18 auf 16 Jahre zugestimmt. Dennoch dürfte der Weg zur Umsetzung des Vorhabens ein langer sein. Nur gerade 28 Prozent der Bevölkerung unterstützt gegenwärtig die Senkung des Stimmrechtsalters.

Noch am ehesten wird die Senkung von Befragten befürwortet, die erst seit kurzem stimmberechtigt sind. Aber selbst bei den 18- bis 24-Jährigen liegt die Zustimmung aktuell bei lediglich 47 Prozent.
 

Stimmrechtsalter 16 - nach Alter

Stimmrechtsalter 16 - nach Alter


Viel breiter ist der Rückhalt in der Bevölkerung für einen obligatorischen Gemeinschaftsdienst: 74 Prozent der Befragten befürworten dieses Anliegen. Der Gemeinschaftsdienst setzt auf eine allgemeine Dienstpflicht für alle jungen Frauen und Männer ab 18 Jahren. Neben Militärdienst könnte dort zum Beispiel Pflege für ältere Menschen geleistet werden. Die Unterstützung für die Idee geht quer durch das politische Spektrum. Männer (78%) sprechen sich eher dafür aus als Frauen (69%).


Obligatorischer Gemeinschaftsdienst - nach Geschlecht und Alter

Obligatorischer Gemeinschaftsdienst - nach Geschlecht und Alter


Geht es um das Verhältnis der Generationen ist die Altersvorsorge ein zentrales Spannungsfeld. Diese gerät aufgrund der demographischen Entwicklung zunehmend in eine finanzielle Schieflage. Um diese auszugleichen, könnten die Menschen länger arbeiten. Zwei Modelle stehen aktuell zur Diskussion: 

  • Ständerat Ruedi Noser hat kürzlich die Idee einer «verteilten Arbeitszeit» lanciert. Er schlägt vor, das Rentenalter zu erhöhen und gleichzeitig mehr Feiertage einzuführen, damit insgesamt nicht mehr gearbeitet werden muss. Allerdings stimmen dieser Idee nur 37 Prozent der Befragten zu. 
     
  • Eine deutliche Mehrheit beurteilt demgegenüber das Konzept einer «Lebensarbeitszeit» als vielversprechend, das kürzlich der Westschweizer Arbeitgeberverband «Centre Patronal» vorgeschlagen hat. Es sieht vor, dass Personen, die eine längere Ausbildung machen und später ins Berufsleben eintreten, später in Pension gehen. Hier liegt die Zustimmung bei 63 Prozent. 
Reform des Rentenalters

Reform des Rentenalters
 

Bezüglich des Rollenverständnisses zwischen Frau und Mann zeigen sich Unterschiede zwischen den Generationen und den Geschlechtern. Der Forderung, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Mann und Frau Erwerbs- und Familienarbeit zu gleichen Teilen leisten können, stimmen über 80 Prozent der Befragten zu.

Insbesondere bei den Männern hängt die Einstellung dazu stark vom Alter ab. Männer über 64 Jahre beurteilen das Anliegen vermehrt negativ - ohne es mehrheitlich abzulehnen. Das Gegenstück dazu bilden die jungen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren. 68 Prozent sind gegenüber diesem Vorhaben sehr positiv eingestellt. Auch die jungen Männer begrüssen das Ansinnen - aber nur 50 Prozent sehr positiv. 



Reformansatz egalitäre Rahmenbedingungen - nach Geschlecht und Alter

Reform egalitäre Rahmenbedingungen
«Die Rahmenbedingungen werden so angepasst, dass sich Frauen in gleichem Umfang wie Männer am Erwerbsleben beteiligen, und Männer gleich viel Familienarbeit leisten wie Frauen.»

 

Zu diesem Kapitel in der Studie

Zurück zur Übersicht