Zum Tag für zukünftige Generationen am 1. Juni setzen wir ein sichtbares Zeichen: Stühle im Tagungszentrum, der Cafébar und im Innenhof erinnern daran, den nächsten Generationen schon einen Platz am Tisch zu geben.
In vielen Sitzungen und persönlichen Gesprächen werden Entscheidungen zum Hier und Jetzt gefällt. Es geht um konkrete Aufgaben, aktuelle Interessen, und drängende Fragen. Gleichzeitig wirken viele dieser Entscheidungen weit über den Moment hinaus. Manchmal prägen sie auch das Leben von Menschen, die heute noch nicht mit am Tisch sitzen: Zukünftige Generationen, die einmal mit unseren Entscheiden leben werden.
Der Philosoph und Autor Roman Krznaric beschreibt in seinem Buch «Der gute Vorfahr: Langfristiges Denken in einer kurzlebigen Welt. (2024)» vier Perspektiven, die helfen können, den Blick über die Gegenwart hinaus zu öffnen – in Sitzungen und anderswo.
Vier Perspektiven
Der Pfeil
Manche Entscheidungen sind wie Pfeile, die wir abschiessen. Sind sie einmal unterwegs, können wir sie nicht mehr zurückholen. Manche Folgen zeigen sich sofort, andere erst Jahre oder Jahrzehnte später. Diese Perspektive erinnert daran, dass unser Handeln Folgen hat und das oft weit über den heutigen Moment hinaus.
Welche Folgen könnte unsere heutige Entscheidung langfristig haben?
Die Waage
Gäbe es eine Waage, auf deren einer Seite alle Menschen stehen, die heute leben, und auf der anderen jene, die erst noch geboren werden, wäre die zweite Gruppe um ein Vielfaches grösser*. Und doch spielen ihre Interessen in unserem Alltag kaum eine Rolle. Diese Perspektive hilft, das Wohlergehen heutiger und zukünftiger Generationen bewusster gegeneinander abzuwägen.
Wer profitiert heute und wer trägt die Folgen später?
*Schätzt man, wie viele Menschen bisher gelebt haben, kommt man auf rund 100 Milliarden. Bliebe die heutige Geburtenrate über sehr lange Zeit ähnlich, könnten in den kommenden 50'000 Jahren etwa 6,75 Billionen Menschen geboren werden.
Die Augenbinde
Stellen wir uns vor, wir wüssten nicht, in welcher Generation wir geboren werden. Wir wüssten nicht, ob wir heute leben oder erst in 30, 50 oder 100 Jahren. Würde dieselbe Entscheidung dann noch fair erscheinen? Diese Perspektive lädt dazu ein, die Sicht jener mitzudenken, die erst später leben werden.
Würde ich diese Entscheidung auch dann fair finden, wenn ich erst in einer späteren Generation geboren würde?
Der Staffelstab
Der Staffelstab steht für das, was wir weitergeben. Jede Generation übernimmt eine Welt, die sie nicht selbst geschaffen hat, und hinterlässt eine Welt, die andere nach ihr übernehmen müssen. Diese Perspektive knüpft an einen einfachen, aber anspruchsvollen Gedanken an: Wir sollten zukünftige Generationen so behandeln, wie wir selbst gerne von früheren Generationen behandelt worden wären.
Wofür werden uns künftige Generationen einmal zuprosten, und welche Lasten werden sie uns ankreiden?
Zukünftige Generationen sind nicht anwesend. Aber sie sind mitbetroffen. Vielleicht helfen diese vier Perspektiven, ihnen gedanklich bereits heute einen Platz am Tisch zu geben. Wir wünschen gute Gespräche und mutige Entscheidungen.
Eine Aktion im Rahmen des Tags für zukünftige Generationen 2026 im Berner Generationenhaus. Weitere Infos und Inspirationen: www.begh.ch/denkmal2051
