Marianne Bartlome: Über Regenwürmer, die Sonntagsschule und die Weihnachtszeit

Publiziert: 30.11.2016
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Bild: ZVG. Die Spittelpfarrerin Marianne Bartlome in der Spittel-Kapelle der Burgergemeinde Bern

Ich traf mich mit der Spittelpfarrerin Marianne Bartlome in der belebten CaféBar im Berner GenerationenHaus. Doch entschlossen wir uns kurzerhand ein ruhigeres Plätzchen aufzusuchen: ihr Büro im Gebäude der Spittel-Kapelle.

Wir setzen uns dort an den einzigen Tisch und Marianne zündete eine kleine Kerze an, welche sie zuvor aus ihrer Manteltasche geholt hatte. Ich fragte sie, was ihr das Anzünden einer Kerze denn bedeute. Sie lächelte und meinte, das erzähle sie mir dann später. Also fragte ich, wer sie sei. «Marianne Elisabeth Bartlome, früher Michel», lautete ihre knappe Antwort. 
Nomen est Omen. «Jeder Name enthält eine Botschaft. Der meine kommt von den biblischen Namen Maria und Anna. Und erzählt von meinem christlichen Aufwachsen und meiner Herkunft.» Gross geworden im bäuerlich geprägten Bümpliz, verbrachte die junge «Mani», wie sie sich selbst nannte, eine behütete Kindheit. Sie erinnerte sich: «Ich war schon damals ein Tier- und Menschenfreund. Im Kindergarten habe ich nicht zweimal überlegt, um etwa für ein Mädchen einzustehen, welches gehänselt wurde. Oder ich habe beispielsweise Regenwürmer auf dem Trottoir gerettet, damit sie nicht zertrampelt würden», erinnerte sie sich mit einem Lächeln.

Ich wurde religiös sozialisiert

Die Sonntagsschule war damals Pflicht für Marianne. Doch ging sie gerne hin, vor allem wegen den Geschichten. «Ich hörte immer aufmerksam zu und hinterfragte alles, was für mich keinen Sinn ergab, kritisch: wieso beispielsweise Gott Schlechtes geschehen liess?» 
Schon mit 14 Jahren gab Marianne Bartlome ihre ersten Stellvertretungen in der Sonntagsschule. Dass sie einmal Pfarrerin werden würde, ahnte Marianne damals noch nicht. Erst die kirchliche Unterweisung gab den Ausschlag, später Theologie zu studieren. Hier stand nicht nur die Bibel im Zentrum, sondern auch christlich geprägte Biographien etwa zu Persönlichkeiten wie Johnny Cash, Martin Luther King oder Sophie Scholl wurden thematisiert. «Ich war fasziniert. Von solchen Vorbildern beeindruckt, war für mich klar, dass ich dereinst beruflich mit Menschen zu tun haben wollte, um mich für sie einzusetzen und ihnen zu helfen. Doch erst mitten im Theologiestudium wurde mir bewusst, dass ich Pfarrerin werden würde. Die Ausbildung zur Religionslehrerin gab es damals noch nicht und ich hatte mir nicht wirklich überlegt, was ich mit meinem abgeschlossenen Studium anfangen sollte. Mir wurde mit meinem Entscheid auch klar, dass ich vor Menschen würde predigen müssen. Diese Vorstellung machte mich ganz unruhig, weil ich eigentlich nie gerne vor anderen Menschen auftrat, wegem Lampenfieber!! …», meinte Marianne lachend. 
Gemeindepfarrerin sein, hiess plötzlich, jederzeit zur Verfügung zu stehen. «Wenn Menschen in einer Krise stecken, muss man eigene, kurzfristige Pläne über den Haufen schmeissen. Mittlerweile haben die meisten Pfarrer sogar Sprechstunden», fügte Marianne schmunzelnd hinzu. Doch ihren Beruf liebt Marianne noch immer. Seit sie als Spittel-Pfarrerin bei der Burgergemeinde arbeitet, hat sie vermehrt mit älteren Menschen und deren Geschichten zu tun, was sie als Geschenk empfinde. Der Beruf bringe aber auch eine grosse Verantwortung mit sich und erfordere viel Einfühlungsvermögen und Kraft.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Schliesslich erzählte mir Marianne noch von ihrer Kerze, welche sie immer dabei hat. Sie soll Hoffnung schenken und eine angenehme Atmosphäre schaffen – und hat nicht nur mit dem Advent zu tun, aber auch. Kerzenlicht wie beim Adventskranzbrauch. Dieser Brauch stamme aus dem 19. Jahrhundert und wurde für die ungeduldigen Kinder eingeführt, damit die Wartezeit auf Weihnachtern verkürzt werde. Die tiefere Bedeutung des Lichtes, dass es auf Christus hinweise und auf die Hoffnung seiner Wiederkunft, gehe aber immer mehr in Vergessenheit: «Wie leider so vieles an Weihnachten. Es geht nur noch Kommerz und Konsum.» Wegen dieser Säkularisierung fürchtet Marianne, dass der Weihnachtsgedanke irgendwann ganz verloren gehe. «Der religiöse Grundgedanke wird immer mehr durch anderes ersetzt. Die kommenden Generationen wissen vielleicht in einigen Jahrzehnten schon nicht mehr, dass wir uns am Heiligen Abend in der Christnachtfeier über die Geburt von Jesu freuen und am Weihnachtstag diesen Geburtstag feiern.» 
Für Marianne hat Weihnachten eine wichtige Bedeutung. Wie für viele Menschen auch, steht Weihnachten für sie vor allem für Hoffnung: dass alles Schlimme, das Leid und sinnlos Ungerechte auf dieser Welt sich irgendwann zum Guten wende. «Menschen können nicht im Chaos leben, sondern streben nach Harmonie. Dies verkörpert Weihnachten. Da ich diesen Gedanken das ganze Jahr über in meinem Herzen trage, lasse ich bei uns zu Hause nach Weihnachten immer irgendwo in einem Zimmer ein weihnachtliches Symbol das ganze neue Jahr über hängen. Und sie zeigte mir einen aus Holz gearbeiteten, goldenen Sichelmond, welcher mit Palmen und Kamelen verziert war.

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Ein Beitrag von Nanuschka Boleki, Kommunikation

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