«Viele Junge überrascht, dass fast alles Politik ist»

Publiziert: 19.09.2017
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Frédéric Mader wird mal für den Stadtrat kandidieren, so viel ist klar.

Eine Knieverletzung zwang Frédéric Mader dazu, mit dem Spitzensport Fussball aufzuhören. Als Ersatzhobby wählte er Politik. Es folgten der Eintritt in die Juso sowie das Co-Präsidium im Jugendparlament der Stadt Bern. Seit einem Jahr engagiert er sich nun als Vorstandsmitglied beim Aufbau des kantonalen Jugendparlaments. Den Gymnasiasten fasziniert an der Politik die Vielfältigkeit der Themen und Begegnungen.

Die Jungen interessieren sich sehr wohl für Politik
«Dass die Jugend sich nicht für Politik interessiert, stimmt nicht», so Frédéric Mader. «Es fehlt nicht an Interesse, sondern an politischer Bildung.» Wenn er auf Jugendliche zugeht und sie nach ihrer Meinung zu politischen Themen fragt, zeigen sich viele interessiert. «Politik ist kompliziert, dieses Vorurteil stimmt. Deshalb zeigt das Jugendparlament jungen Leuten, wie man sich politisch engagieren kann, noch bevor man wahlberechtigt ist», erklärt Mader weiter. «Meine Freunde waren teilweise überrascht, was alles eigentlich Politik ist», schmunzelt er. «Zum Beispiel der Bau eines Skateparks: dazu braucht es Anträge, Bewilligungen, Gesuche und so weiter. Hier kommen überall politische Prozesse zum Tragen.» Hierbei werden die Jugendparlamente aktiv und unterstützen Jugendliche bei der Realisierung ihrer Projekte.

Aktive Bürgerinnen und Bürger statt Politiker
Das Jugendparlament des Kantons Bern versucht insbesondere in Gemeinden, die selber kein Jugendparlament besitzen, die Bedürfnisse der Jugend zu eruieren. Aber es soll in Zukunft auch Plattform sein, wo Mitglieder verschiedener Jugendparlamente die Möglichkeit haben, kantonale Themen zu diskutieren.

Apropos: Wie emotional werden die Diskussionen im Jugendparlament geführt? Frédéric Mader winkt ab, beim Jupa gehe es nicht so hitzig zu und her wie beispielsweise im Nationalrat. «Es ist viel harmonischer und angenehmer.» Obwohl schon mal lauter diskutiert werde, wenn es um konkrete Ideen oder Projekte gehe. Zudem sei die Bezeichnung ‹Parlament› etwas irreführend, weil die Mitglieder maximal zweimal im Jahr formell tagen würden. «Ansonsten trifft sich das Jupa eher zu einem gemeinschaftlichen Austausch am runden Tisch», erklärt das Vorstandmitglied.

«Das Ziel des Jupas ist nicht, Politiker ‹auszubilden›», sagt Mader. «Viel eher bieten wir Interessierten ab 14 Jahren die Chance, einmal Politik-Luft zu schnuppern, ohne sich mit einer konkreten Gesinnung für einen bestimmten Sachverhalt einzusetzen.» So repräsentiert das Jupa des Kantons einerseits Jungparteienmitglieder von links bis rechts, andererseits möchte es aber auch Stimme der Jugendlichen sein, die sich keiner Partei zugehörig fühlen.

Speed-Debating und Znacht mit dem Grossen Rat
Unter dem Motto «Red mit und mach d’Bärner Politik jünger» führt das Jupa am 1. Dezember die kantonale Jugendkonferenz durch. Der Anlass möchte Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren zeigen, wie man sich politisch engagieren und sein Umfeld mitgestalten kann. Das Programm beinhaltet ein Speed-Debating, Workshops und Referate von Politikern. Neben dem Poetry-Slam-Battle freut sich Frédéric Mader ausgesprochen auf das gemeinsame Abendessen mit dem Grossen Rat. «Das ist eine tolle Möglichkeit direkt mit den Grossräten und Grossrätinnen zu reden, Fragen zu stellen und sich auszutauschen.»

Wie sieht Frédéric Maders politische Zukunft aus? Das wisse er selber noch nicht genau, gibt der 17-Jährige zu. «Ich werde bestimmt einmal für den Stadtrat kandidieren. Noch unklar ist, ob ernsthaft oder eher als Listenfüller.»

«Red mit und mach d’Bärner Politik jünger»

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Das Jugendparlament des Kantons bei der Gründungsversammlung im Berner GenerationenHaus.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 600-Jahr-Jubiläum des Berner Rathauses führt das Jugendparlament des Kantons Bern am 1. Dezember die erste Jugendkonferenz durch. Das gemeinsame Projekt des Jugendparlaments, des Kantons, der Stadt und der Burgergemeinde Bern, soll die politische Partizipation von Jugendlichen fördern und den Austausch über Gemeinde- und Sprachgrenzen hinweg ermöglichen.

 

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