«Die Fussgängerampel beim Baldachin ist nur während 10 Sekunden grün»

Publiziert: 25.04.2016
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Yael Bloch vor der betreffenden Ampel beim «Baldachin» am Bahnhofsplatz

Yael ist eines von 99 Kindern im Kinderparlament der Stadt Bern. Dort setzt sie sich unter anderem für längere Grünphasen bei Verkehrsampeln ein. Ich traf die Zwölfjährige im Berner GenerationenHaus, dem Sitz des Kinderparlaments.

TEXT & BILD: MICHELE BIGLER

Im Kinderparlament («KiPa») der Stadt Bern haben Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren die Möglichkeit, ihre Ideen und Anliegen einzubringen sowie auf Themen aufmerksam zu machen, die sie beschäftigen. Damit können die Kinder das Leben in der Stadt Bern aktiv mitgestalten. In Form eines Postulats beauftragt das «KiPa» den Gemeinderat ein Kinderanliegen genau zu prüfen. Drei Mal im Jahr trifft sich das «KiPa» zu einer Session im Rathaus. Hier werden verschiedene Themen aus fünf Arbeitsgruppen diskutiert, Vorschläge erarbeitet und über Postulate abgestimmt.

Die Zwölfjährige Yael Bloch engagiert sich bereits seit drei Jahren im «KiPa» und war bereits in drei der fünf Arbeitsgruppen aktiv. Aktuell sitzt sie im Ratsbüro, das für die Gestaltung der Sessionen sowie für die Verleihung der «Olé - und Plämupreise» für kinderfreundliches beziehungsweise kinderunfreundliches Handeln zuständig ist.
Yael ist Mitinitiantin des Postulats «Längere Grünphasen an Verkehrsampeln» welches am 3. März 2016 zu Handen des Gemeinderates verabschiedet wurde.

Die Idee entstand, als Yaels Grossmutter nach einer Knieoperation an Krücken ging und grosse Mühe hatte, die Ampel in der Nähe ihres Hauses im Monbijou-Quartier innerhalb der Grünphase zu überqueren. Als sie später einmal auf dem Weg ins Ratsbüro im Berner GenerationenHaus feststellte, dass auch die Ampel beim «Baldachin» auf dem Bahnhofsplatz viel zu schnell rot wird, entschied sie sich, etwas dagegen zu unternehmen. Selbst ihr war es nur mit Mühe möglich, rechtzeitig den Zebrastreifen zu überqueren. Gemeinsam mit Meret Willen führte die Zwölfjährige Zeitmessungen durch. Die beiden Mädchen stellten fest, dass Fussgängerinnen und Fussgänger beim Baldachin nach 45 Sekunden Wartezeit nur 16 Sekunden Zeit haben, um die Strasse zu überqueren. Wirklich grün ist es lediglich während 10 Sekunden. Für ältere Leute, Menschen mit einer Gehbehinderung und Kinder ist diese Zeit ihrer Meinung nach zu knapp. In einer Sitzung haben Yael,Meret und andere KiPa-Kinder ihr Anliegen sowie die Zeitmessungsergebnisse der Gemeinderätin Ursula Wyss und einem Vertreter der Verkehrsplanung unterbreitet. Bis Ende April erwartet das «KiPa» ihre Rückmeldung.

Neben dem Postulat für längere Grünphasen wurden am 3. März auch Vorschläge erarbeitet, wie Kinder mit Sprachauffälligkeiten gefördert werden könnten. In Diskussionsgruppen erarbeiteten die «KiPa»-Kinder verschiedene Lösungsvorschläge. Diese reichen von Sprachworkshops über Gratisausleih von Hörspielen und Filmen bis hin zu Taschen-Bilderbüchern mit wichtigen Alltagswörtern. Acht Vorschläge wurden ausgewählt und ebenfalls in Form eines Postulats an den Gemeinderat überwiesen.

Unterstützt wird das «KiPa» vom Kinderbüro-Leiter Peter Schnyder. Während den Sitzungen schreibt er das Protokoll, trifft im Hintergrund Abklärungen und verfasst die Mitteilungen an die Medien. Seine Hauptaufgabe sieht er darin, den Kindern den Spielraum der Mitwirkung aufzuzeigen und ihnen zu helfen, sich Gehör zu verschaffen. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, dass die Kinder die Entscheide des Gemeinderats verstehen und nachvollziehen können.

Hier finden Sie mehr Informationen über das Kinderparlament

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Michèle, Kommunikation

Schauen Sie im Berner GenerationenHaus vorbei, wenn Sie das nächste Mal in der Nähe sind. Wir freuen uns auf Sie!

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